Das Interessante an der Schule ist ihr Zwangscharakter

Auszüge aus einem Gespräch mit einem angehenden Lehrer.

(…)

MK: Ich würde gerne erstmal dort anknüpfen, worüber wir schonmal gesprochen haben: Was ist Politik oder was ist politisches Handeln. Du hast von drei Ebenen gesprochen, die du für dich siehst, auf denen man politisch handeln kann: Lebensumgebung, Arbeitsumgebung und…

S: Ich versuche mich gerade zu erinnern. Was war das dritte?

MK: … gesellschaftliche Umgebung.

S: Ok. Ich denke, der naheliegendste Ansatz politischen Handelns ist, dass man sagt: Auf der gesellschaftlichen Ebene werden Themen verhandelt. Die Gesellschaft ist in einem ständigen hin und her zwischen verschiedenen Ideen und auf einer gesellschaftlichen Ebene organisieren sich Interessen und versuchen, sich gegeneinander durchzusetzen. Will man hier aktiv werden, wäre es naheliegend, das man in eine Partei geht oder eine Initiative unterstützt, die beispielsweise dafür kämpft, dass Cannabis legalisiert wird. Die beiden Arenen die hier benutzt werden sind normalerweise die Medien und die Politik selber. Deshalb macht man Demos, deshalb macht man Pressearbeit, deshalb beschwert man sich, dass die Bildzeitung scheiße ist. Das ist eine relativ normale Definition von Politik.

Dann gibt es eine, ja vielleicht ist das wirklich eher so eine mittlere Ebene, es ist auf jeden Fall eine sehr viel kleinere, beispielsweise die der Arbeit. Wir haben Kollegen, die auf unserer Ebene sind, wir haben Klienten mit denen wir zu tun haben und wir haben einen Chef, der eben nicht kollegial zu uns steht. Das ist ein ganz klares hierarchisches Ding und auf dieser Ebene passiert natürlich auch Politik. Einerseits bezogen auf das Gesamtgesellschaftliche, weil man sich darüber austauscht was außen passiert. Zum anderen weil man auch auf einer Arbeitsebene politisch handelt. In dem Sinne, dass man sich entscheidet solidarisch mit seinen Mitarbeitern zu sein, indem man sich entscheidet ob man einen Konflikt mit dem Chef sucht, inwieweit man versucht die Arbeitsumgebung im Unternehmen anders zu gestalten oder inwiefern man das Verhältnis zu seinen Klienten anders sieht. Das letzte ist gerade für Lehrer ein wichtiger Aspekt.

Ja und dann gibt es die private Ebene. Da ist vielleicht die WG das beste Beispiel. Man kann eine WG als Zweck-WG begreifen die billigeres Wohnen ermöglicht oder man kann es als ein Projekt des Zusammenlebens begreifen. Nehmen wir ein Beispiel: Ich glaube, dass viele Menschen eine sehr sexistische Weltsicht haben aber wissen, dass das sozial nicht erwünscht ist. Das heißt, sie versuchen sich in der Arbeitswelt da zurückzuhalten. Aber es wird ihnen eben sehr schwer fallen das in einem privaten Umfeld so zu machen. Und wenn man das private Umfeld politisiert, gibt es auch hier konkrete Möglichkeiten und das ist ja das was auch in den sechziger Jahren die Idee war: Das Private wieder politisch zu machen und das eben auch als eine Ebene zu begreifen. Da gab es dann so Ideen “You have to be the change you want to see in the world” oder was weiß ich…

MK: Du hast jetzt eben bereits angedeutet, dass die mittlere Ebene für Lehrer besonders interessant ist und damit den ersten Link zu dem Bildungsthema gezogen. Inwieweit betrifft dich das?

S: Also ich habe jetzt sechs Jahre Lehramt studiert, von Anfang an mit der festen Überzeugung Lehrer zu werden und bin so gut wie fertig. Da wir in Bremen als Lehramtsstudierende die gesamten Semesterferien in der Schule oder in anderen Bildungseinrichtungen verbringen, habe ich mittlerweile bereits anderthalb Jahre Berufserfahrung gesammelt: Das heißt, ich hab Gymnasien gesehen, ich hab Gesamtschulen gesehen, ich hab Hochschulen gesehen und mir alternative Bildungseinrichtungen angeschaut. In Spanien war ich eine Zeitlang bei einer Organisation, die pädagogische Stadtteilarbeit macht.

MK: Und ähm…

S: Warum ich das studiert habe?

MK: Ja, lass uns doch einmal direkt dahin gehen.

S: Nach dem Abitur wusste ich, dass ich politisch arbeiten will. Ich war mit verschiedensten Dingen nicht einverstanden, mir haben politische Themen sehr viel Spaß gemacht und ich glaube, wenn ich mich damals einfach so entschieden hätte, hätte ich Politik studiert. Da ich aber noch wehrpflichtig war und ich daher meinen Zivildienst machen musste, bin ich zu einer NGO gegangen bei der ich erstmals politische Arbeit von innen erlebte. Das war eine Aufgabe, bei der man mit Leuten, die sowieso schon überzeugt waren, gearbeitet hat. Sehr viel im Büro, sehr formal und sehr bürokratisch, kaum theoretischer Austausch. Die habe ich damals als sehr dröge empfunden und auch als kontraproduktiv zu dem, was ich wirklich wollte. Nämlich mit Menschen zu tun zu haben und Menschen von Themen zu überzeugen und damit gesellschaftlich etwas zu verändern. Ich hab also versucht davon weg zu kommen und bin so im Laufe des Jahres Stück für Stück mehr in die Öffentlichkeitsarbeit gegangen. Auf einem größeren Seminar habe ich dann Workshops geleitet und bin im Rahmen eines Sozialforumsauch auf die Frage gestoßen, wie man eigentlich Bildungsprozesse gestaltet. Dann kam dazu, dass ich mich ein bisschen mit Gramsci auseinandergesetzt habe.

MK: Was ist das interessante an Gramsci?

S: Ja, Gramsci war ein Kommunist der quasi in den 20er Jahren in Italien agiert hat und dann relativ schnell auch eingeknastet wurde. Er hat den Kommunismus der Sowjetunion sehr krass analysiert. Sein gesamtes Werk besteht aus kleinen Heften, die er während der Haft vollgeschrieben hat. Das ist so ein ewiger Reflektionsprozess, unglaublich anstrengend zu lesen, aber das wird sehr gut aufbereitet. Seine große Frage war, warum konnte eine kommunistische Revolution in Russland erfolgreich sein und in Italien nicht und dann sagt er, in Russland waren die gesamtgesellschaftlichen Strukturen zu schwach ausgebildet. Das heißt, das in dem Moment wo die Revolution das Telegraphenamt und das Rathaus besetzt hat, hat die Revolution gewonnen. Die Leute haben sich nicht sehr stark damit auseinandergesetzt.

[…] Im Osten war der Staat alles, die Zivilgesellschaft steckte in den Anfängen und ihre Konturen waren fließend; im Westen herrschte zwischen Staat und Zivilgesellschaft ein ausgewogenes Verhältnis, und sobald der Staat erzitterte, entdeckte man sofort die kräftige Struktur der Zivilgesellschaft. Der Staat war nur ein vorgeschobener Schützengraben, hinter ihm befand sich eine robuste Kette von Befestigungen und Kasematten […].

Gramsci – Gefängnishefte

In Italien konnte das nicht klappen, weil es in Italien eine gesamtgesellschaftliche Hegemonie gab und das ist ein katholisches-konservatives Denken gewesen. Für Gramscis Theorie ist nun das Verständnis der Gesellschaft als einer Art Zwiebel, die in ganz vielen Schichten verläuft, wichtig. Diese Schichten sind ähnlich wie Schützengräben und eine Gruppe die etwas verändern will, kämpft sich quasi durch jeden einzelne Schützengraben vor. Das fängt an mit der Benennung von Straßen und Plätzen, weiter wem gehört die größte Zeitung im Land, usw. Das sind alles verschiedene kleine Punkte und jeder einzelne dieser kleinen Punkte steht im Zwiestreit verschiedener Ideologien. Also für Gramsci konkret zwischen dem Faschismus und dem Kommunismus. Die Aufgabe einer kommunistischen Bewegung wäre es daher nicht, eine große militärische Macht aufzubauen, die dann die Macht im Staat übernimmt, sondern die Hoheit über Diskurse zu erlangen. Beispielsweise indem man sich darüber streitet inwieweit eine Straße „Straße des Großen Vaterländischen Krieges“ heißt oder…

MK: … das ist ja etwas, das erstmal auf der Bewusstseinsebene stattfindet.

S: Ja genau. Gramsci war im Prinzip überzeugt davon, dass die kommunistische Bewegung die besseren Argumente hat, aber als solche sich nicht durchsetzt, weil andere Leute die Deutungshegemonie haben. Für ihngeht es als kommunistische Bewegung darum, die Hegemonie über gesellschaftliche Diskurse in einzelnen Teilaspekten zu gewinnen. Der entscheidende Faktor ist dabei natürlich das Bildungssystem.

Eine neue Kultur zu schaffen bedeutet nicht nur, individuell ›originelle‹ Entdeckungen zu machen, es bedeutet auch und besonders, bereits entdeckte Wahrheiten kritisch zu verbreiten, sie sozusagen zu ›vergesellschaften‹ und sie dadurch Basis vitaler Handlungen, Element der Koordination und der intellektuellen und moralischen Ordnung werden zu lassen. Dass eine Masse von Menschen dahin gebracht wird, die reale Gegenwart kohärent und auf einheitliche Weise zu denken, ist eine ›philosophische‹ Tatsache, die viel wichtiger und ›origineller‹ ist, als wenn ein philosophisches ›Genie‹ eine neue Wahrheit entdeckt, die Erbhof kleiner Intellektuellengruppen bleibt.“

Gramsci – Gefängnishefte

Da kommt jetzt ein weiterer Faktor rein und damit löse ich mich jetzt von Gramsci. Am Bildungssystem ist das interessante, dass in Deutschland alle Menschen verpflichtet sind als Kinder und Jugendliche zur Schule zu gehen und in der Schule lernen sie. Sie lernen grundsätzlich erst einmal die Inhalte die im Bildungsplan stehen, sie lernen aber auch Dinge, die sie von ihren Klassenkameraden abschauen und sie lernen auch von ihren Lehrern andere Inhalte kennen. Wenn wir zurückdenken, an die autoritäre Schule, wo der Lehrer überhaupt keinen Widerspruch duldet, da haben die Schüler gemerkt: „Ok, wenn jemand reinkommt, der die Macht hat, dann hab ich meine Schnauze zu halten oder ich krieg auf die Fresse“. Es ist unbestreitbar, dass wir alle aus der Schule rauskommen als erwachsene Menschen und die Schule uns stark geprägt hat und nicht nur in dem Sinne, dass wir jetzt drei oder vier Jahre Biologie gelernt haben und deshalb was über Gene wissen. Sondern wir wissen was über Sozialformen, unsere eigenen Stärken und Schwächen, wir kommen raus aus der Schule und haben ein bestimmtes Bild davon, wie wir uns zu verhalten haben, weil es täglich dort praktiziert wird. Schule ist ein gesellschaftliches Experimentierfeld im kleinen und jeder muss da rein, niemand entgeht dem. Ich kann da natürlich reingehen und sagen ich find‘ Mathe scheiße, aber trotzdem muss ich sieben Jahre lang Mathe lernen und ich hab ’ne konstante Auseinandersetzung.

MK: Ist das aber nicht auch schon ein Grundproblem?

S: Wenn wir jetzt weitergehen und linksradikale Theorien von Schule diskutieren, ist das eine Problematik. Man kann den Zwangscharakter kritisieren. Aber wenn man Schule als den Faktor sozialen Wandels begreift, dann ist Schule interessant gerade wegen des Zwangscharakters.

(…)

MK: Du hast mir gesagt, dass du da erstmal einen unauflösbaren Widerspruch siehst. Kannst du den Widerspruch nochmal konkreter formulieren?

S: Ich glaube, dass es für einen Menschen, der mit einem Menschenbild arbeitet, das als Ziel des Menschen die Freiheit des Menschen sieht, also wenn man ausgeht von der Idee, dass alle Menschen frei sein und in ihren eigenen Stärken und Interessen bestärkt werden sollten, anstatt in beengende Verhältnisse eingezwängt zu werden, dann ist das Schulsystem, dass es verpflichtend macht von Montags bis Freitags, 8-14 Uhr zur Schule zu gehen, ein Ding, das man geneigt ist abzulehnen. Das steht im krassen Gegensatz zu einer Utopie von Schule, die stark aus Offenheit besteht, die ein offener Raum des Lernens ist, die Angebote macht und in welcher der Lernende sich selber überlegt, was er lernen will; der Zwangscharakter steht also in vehementen Widerspruch zu allen Überzeugungen, auf die man kommen würde, wenn man von linker oder anarchistischer Theorie her Schule analysiert. Das ist ein Widerspruch und der lässt sich nicht auflösen…

MK: Heißt das, die Utopie die du gerade beschrieben hast, ist eine die du eigentlich auch vertrittst?

S:Ja, mit Vorbehalten natürlich. Also klar gibt es… das aktuelle Bildungssystem hat natürlich seine Macken aber.. Ich glaube, was ich zum Ausdruck bringen wollte ist, wenn man Schule als ein wichtiges Feld für politische Veränderung begreift, dann ist es interessant, weil man genau die erreicht, die man sonst nicht erreichen würde. Das ist auch eine Besonderheit von politischen Inhalten. Ich glaube, das es für andere Fächer durchaus sinnvoll ist, wenn ich sage ich lerne Mathe, wenn ich Mathe lernen will, ich lerne was über Biologie wenn… also diese utopischen Bildungsvorstellungen bei kleinen Kindern gehen davon aus: Ein Kind findet einen toten Vogel und will jetzt wissen, warum der tot ist. Und das wäre jetzt der perfekte Zeitpunkt um über Winter zu reden, über alle Themen die mit dem Tod des Vogels zu tun haben. Aber für politisches Lernen ist das leider kontraproduktiv. Weil ich bei politischem Lernen gerade nicht die erreichen will, die sich dafür interessieren, die sagen: „Ich hab in der Zeitung gelesen so und so viele Millionen Menschen sind arbeitslos, warum ist das so?“. Sondern gerade die zu erreichen, die das auch gelesen haben und die sagen: „Ist mir doch egal.“ Und genau deshalb rekurriert das politische Lernen gerade auf den Zwangscharakter von Schule. Es unterscheidet sich hierin von anderen Fächern wie beispielsweise Spanisch. Es geht davon aus, dass alle, die sich für ein Thema interessieren, sich ihre eigenen Informationen suchen. Alle, die sich in der Schule für den Politikunterricht interessiert haben, denen war er immer viel zu langsam, die waren damit unterfordert, die wollten mehr. Der Unterricht hat sich immer an die gewendet, die noch gar nichts wussten. Es will genau, dass diese Leute verpflichtet sind einmal in der Woche da 90 Minuten zu sitzen und sie können dir nicht ausweichen. Sie können auf Durchzug stellen, aber das ist dann wieder eine pädagogische Aufgabe zu schauen, wie erreiche ich sie trotzdem. Da stellt sich dann die Frage, wie man tatsächlich konstruktive und kritische Bildungsprozesse vorantreibt. Bei dem was ich bis jetzt gesagt habe, könnte man ja immer noch sagen man indoktriniert. Oder man stellt sich die Frage, wie gehe ich damit um, wenn Schüler anderer Meinung sind: Akzeptiere ich das? Wie arbeite ich damit? Muss ich permanent meine Meinung deutlich machen oder nicht? Aber das spielt schon sehr weit darein, was Pädagogik ist und wie sie funktioniert.

MK: Du hast jetzt also von dir ein Interesse beschrieben, in die Schule zu gehen um da bestimmte Bildungs- oder Veränderungsprozessse voranzutreiben…. für dich sind gesellschaftliche Veränderungsprozesse und Bildungsprozesse schon sehr nah beieinander, oder?

S. Schon. Im Prinzip bin ich der Überzeugung, dass wenn Menschen auf einer rationalen Ebene Veränderungsprozesse wollen, sie sich dann später in der gesellschaftlichen Position, die sie erreichen auch dafür einsetzen werden. Also Multiplikation ist das dann im Endeffekt.

MK: Und jetzt wäre meine Überlegung, dass dein Interesse dem Interesse von Schule, so wie sie momentan aufgebaut ist… ich weiß nicht, widerspricht es dem oder hat es da erst mal nur keinen Platz oder muss es sich diesen Platz suchen?

S: In gewisser Weise ist immer unterstellt worden, das Schule einen erhaltenden Charakter hat und wenn man sich Produkte von Schule anschaut, dann lässt sich das auch konstatieren. Schulbücher hinken immer 10-12 Jahre hinterher. Das heißt auch Bildungspläne sind immer das Ergebnis von einem gewissen gesellschaftlichen Konsens. Das Thema gleichgeschlechtliche Beziehungen ist in die Schulen beispielsweise erst Mitte der 90er angekommen und wenn man schaut, wann es in anderen Teilen der Gesellschaft aktuell geworden ist, das war 20-30 Jahre früher und Schule ist da natürlich sehr langsam, aber gleichzeitig…

MK: Aber da gehst du ja davon aus, dass… Man kann es ja auch so formulieren das Schule erst mal nur soll, dass die Leute ausreichend funktionieren, dass in dem Sinne natürlich auch Verhaltensregeln gelehrt werden damit niemand durchdreht und Amok läuft, aber umgekehrt und vor allem sollen die Leute arbeitsfähig sein.

S: Das stimmt und das hat noch mal zwei verschiedene Gründe. Zunächst einmal ist es so: Die meisten Lehrkräfte haben eine sehr große Autonomie. Unter Lehrkräften spricht man vom Autonomie-Paritäts-Muster, das heißt jeder Lehrer ist gleicher unter gleichen und deshalb darf niemand dem anderen reinreden in die Gestaltung des Unterrichts. Wenn du dir Lehrpläne anschaust, dann steht da drin den Schülern sollen diese und diese Kompetenzen vermittelt werden. Im Spanischunterricht steht zum Beispiel drin das den Schülern vermittelt werden soll, sich über komplexe Themen auszutauschen. Das kann der Herstellungsprozess von Paella sein oder aber das Problem des Spanischen Bürgerkriegs.

Gleichzeitig haben viele Lehrer ein hohes Verantwortungsgefühl gegenüber ihren Schülern. Das merkt man auch noch an Hauptschulen, dass viele Lehrer große Angst haben, dass ihre Schüler arbeitslos werden und ihnen deshalb Wissen vermitteln, von dem sie glauben, dass es den Schülern nützt. Es gibt eine ganz hohe Verantwortungsübernahme und eine solche Verantwortungsübernahme führt zu dem, was du gerade beschrieben hast, nämlich, dass man sagt man macht ihnen keine kritischen Bildungsinhalte und –formen vermittelt, sondern das Wissen, was sie brauchen um auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein.

MK: Nun wird ja trotzdem ein Grossteil dieser Schüler auf dem Arbeitsmarkt nicht erfolgreich sein…

S: Ja, aber für ein paar besteht immer noch eine Chance. Das ist das trügerische, dass es zwar theoretisch jeder Einzelne noch irgendwie schaffen kann, aber praktisch nicht alle gleichzeitig. Das ist das Problem an vielen Sonderschulen, wo die Chancen praktisch gleich Null sind und das Gefühl entsteht, auf einer Verwahrungsanstalt zu sein und daraus Frust bei Lehrern und Schülern entsteht.

Der zweite Grund für den erhaltenden Charakter der Schule liegt nun in ihrer Aufgabe als Institution. Die Schule ist ja eine staatliche Institution und der Staat, also wenn man von DEM Staat sprechen will, schafft sich ja keine Institutionen, die propagieren ihn zu zerstören oder radikal zu verändern. Was jetzt noch dazu kommt: Lehrer gehören einer Schicht an, die ein sehr hohes Einkommen hat, die relativ etabliert ist in der Gesellschaft durch den akademischen Abschluss und dadurch haben sie, das kann man nicht pauschalisieren, aber sie haben als gesamte Schicht doch eher recht wenig Interesse an der Umwälzung der bestehenden Gesellschaft.

(…)

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