Arbeiterklasse ohne Arbeit

[Von: Kurt Wildemayer]

 


Projekt: Transformation Transformation
Aus technischen Gründen diese Version. Erstveröffentlichung: 29.10.2010 20:37 Zakk Bremen. Original auf Olympia 5130

647 / 647 FK002421 – Befr. Beschäft. 07.10 S – 21.06.2010 2720094 Arbeitsprozess beginnt:
Arbeitsvertrag

1. Tätigkeit

Sie sind ab dem 02.09.2003 als Monteur im drei – Schichtbetrieb in der Abteilung Montage A10 in Harb am Breckar für die Braunhaus Hydromatic GmbH tätig.

2. Arbeitszeit

Lage und Verteilung der Arbeitszeit richten sich nach den jeweiligen Bestimmungen. Sie erklären sich bereit im Rahmen der Bestimmungen Mehrarbeit zu leisten und an Sonn – und Feiertagen zu arbeiten.

3. Nebenbeschäftigung

Jedwede Nebentätigkeit bedarf unserer schriftlichen Zustimmung. Diese werden wir erteilen, soweit hierdurch unsere Interessen und ihre Arbeitsleistung nicht beeinträchtigt werden.

Im Rahmen der Bestimmungen können ihnen, ohne, dass es ihrer Einwilligung bedarf auch anderer zumutbare Tätigkeiten, z.B. an einem anderen Ort übertragen werden.

4. Rechte an Arbeitsergebnissen

Alle Arbeitsergebnisse stehen der Braunhaus Hydromatic GmbH zu. Wir sind berechtigt alle Ergebnisse des Arbeitsprozesses zu verwerten.

Mit freundlichen Grüssen

Ppa. XXX XXX           i.V. XXX XXX

Personalleiter              stellv. Personalleiter

Ich habe einen identischen Durchschlag erhalten und bin einverstanden.

(Ort), den (Datum) (Unterschrift) .

Arbeitsprozess: materielle Realität beginnt.

Er unterschrieb, schüttelte Hände und konnte sein Glück noch kaum fassen. Glück? Bestand hierbei in einer monatlichen Bruttovergütung von umgerechnet 3500 rubel / 30 Tage. Befristet auf zehn Monate, heruntergehandelt hatte er sie von 24. Ob er denn verrückt sei, dies herunterzuhandeln fragten ihn andere, die gerne an seiner statt ebenjener lohnabhängigen Tätigkeit nachgegangen wären.

Langsam werde ich aber ungeduldig, wo bleibt denn nun die Genialität fragt sich die Leserin im Bremer Viertel, mit einem Joint im Mund keck am Fenster hinaus zu Kreuzung sitzend.

Info: Jedwede Genialität wird nun zurückgestellt, zu Gunsten des Leseflusses. Darüber hinaus hatte er ebenfalls mit obigem Vertrag seine Genialität abgetreten – sich verpflichtet zu funktionieren.

Montieren war nun seine Aufgabe.

Mitteldruck Axialkolben Maschinen stellte er her.

Ungefähr siebzig pro Schicht. Es gibt verschiedene Modelle und Ausführungen seine „Werkbank“ stellte in der Regel die Kleinen, also fünf Kubik und maximal zwanzig Kilo schwer her. Wobei die Werkbank nur aus Tradition Werkbank hieß, war sie doch eine Stufe auf dem Weg zur vollautomatischen Produktion. Die Arbeit war fordernd, in den ersten Wochen, danach eher stumpf und repetitiv. Obwohl die Arbeit an sich den eigentlichen Hauptteil darstellen könnte, ist sie nicht von sonderlich zu erzählendem Interesse. Er konnte nun montieren, mit einer Hand, mit geschlossenen Augen, er montierte auch im Traum, oder montierte während andere träumten. Die Arbeit an sich war Monotonie. Er teilte sich die Werkbank mit ungefähr neun anderen im drei – Schichtrhytmus.

Die Begegnungen die er machte, Beobachtungen aus der industriellen Blechhalle eines schwäbischen Traditionsunternehmens, dass nach einer übernahme durch den Konzern Rexboot eingegliedert war in einen Globalgiganten und vor Ort zum größten Arbeitgeber der Region zählte, groß groß Groß also. Fühlte er sich, bereit alles zu geben – die Chefs nicht zu enttäuschen.

Er wurde enttäuscht, als er feststellen musste, dass es nicht um Arbeit geht, sondern um Zeit und Erscheinen. Der Auftritt war entscheidend.

Es müsse nur so viel gearbeitet werden wie gerade nötig und auch dies bitte nicht in Eile. Schließlich gehe es um Arbeit nicht ums Leben. Waren die Weisheiten die ihm die anderen Mitarbeiter der Abteilung beibrachten. Sie pflegten in unregelmäßigen Abständen vorbeizukommen um sich den, wie sie sagten, Neuen anzusehen.Den Abständen lag dann doch eine Regelmäßigkeit zugrunde. Denn sie kamen nur vorbei wenn der Neue gerade alleine war. Alleine war er, der Neue, nur wenn er die Werkbank verließ und nachts durch die Maschinen spazierte, oder immer dann wenn sein neurotischer Kollege, der Dieter, oder Uwe oder vielleicht Karl – Heinz hieß, gerade abwesend war.

Die Anderen konnten Dieter nicht ausstehen, kamen also nur in dessen Abwesenheit vorbei. Dies hieß selten, denn Dieter verließ die Werkbank, seinen Arbeitsplatz äußerst ungern und selten.

Abwesenheiten plante er routinemäßig. In der Frühschicht, war 8:17 solch eine Zeit, dann machte Dieter sich auf einen Kaffe zu holen, daran zu nippen, schnellen Schrittes zur Werkbank zurück, wo er ihn versteckt abstellte und immer nachdem er sich vergewisserte, dass niemand zuschaue Schluck für Schluck leertrank.

Er trank Kaffe wann er Kaffe trank, immer. Egal ob ihm gerade nach Kaffe war, wonach ihm natürlich war, schließlich war es die Zeit um Kaffe zu trinken. So hatte er für jede der drei Schichten eigene Zeitsystem entwickelt, die abgestimmt waren unter anderem, mit dem Zeitpunkt des Mittagessens, dem Produktionsablauf unserer Werkbank und natürlich dem täglichen Rundgang des Meisters.

Wir waren Teile der Maschine, bezahlt um zu funktionieren. Dieter war eine Maschine, funktionierte immer. Mein Leben begann einem fremdbestimmten, exakten Plan zu folgen, Dieters Leben war ein Plan.

dritte Seite: Vita des Dieter.

Durchschauung, Reflektion der eigenen Position im System und Aufbau eines eigenen Systems als Strategie. So zumindest wirkte es auf mich.

Dieter absolvierte den Grundwehrdienst, verpflichtete sich für weitere Jahre, machte währenddessen zwei Berufsabschlüsse Elektroniker, oder so. Er lernte schnell durch Befolgen und Antizipieren der Regeln sich den Alltag zu erleichtern, beziehungsweise erst zu ermöglichen. Egal, welch ein Problem auftrat, pflegte er nach der Maxime: „Melden macht frei und belastet den Vorgesetzten“ zu handeln. Trat also ein Problem auf, liefen wir zum Meisterbüro und egal in welcher Situation sich der Meister befand, sei es in einer Besprechung oder am Telefon meldete Dieter den Vorfall. Dann drehten wir um, liefen zurück zum Arbeitsplatz, Dieter notierte sich den Vorfall mit Zeit und Datumsangabe –

und dann nahmen wir Platz und setzten uns auf kleine, schwarze ölverschmierte Hocker, die unter einem Edelstahltisch in blau, ebenfalls ölverschmiert lagerten und warteten auf Anweisung.

Struktur, Hierarchie, Befehlskette.

Nach ungefähr 36 Jahren und 1,5 Monaten Bundeswehr gelangte Dieter an den Punkt an welchem er sich fragte, was da draußen noch auf ihn warten würde. Als er hörte, dass es in der freien Wirtschaft keine Lohnobergrenze gäbe und disziplinierte arbeitswillige Männer wie er eine reelle Anstellungschance hätten entschied er sich und verließ die Kaserne.

Vier Monate Arbeitslosengeld, dann Abendessen beim Schwiegervater. Gut angezogen, Mittelscheitel und vorbereitet fragt Dieter den Schwiegervater – Grossaktionär in verschiedenen schwäbischen Firmen – um Hilfe. Zeitvertrag, 24Monate Braunhaus Hydromatic GmbH drei – Schichtbetrieb, seine Karriere beginnt.

Aus unterschiedlichen Gründen übertrug er einfach seine gedanklichen Systeme. Sein Leben bestand aus Zahlen, Zeitmessungen, Rechnungen. Sparen, Verdienen, Garantieanspruch, Kreditlinie. Einmal die Woche zusammen mit der Frau Einkauf. Jede Woche, immer der Einkauf, danach immer, Hähnchendönerteller für 6,70 – da kannst du eben nichts gegen sagen.

Sein Leben: Haushalt, Beziehung, Heimkino – drei – Schicht.

Wir arbeiteten wochenweise im Wechsel, Früh also von 05:30 bis 13:30, Spät von 13:00 bis 21:00 und Nachts von 22:00 bis 05:30 wobei immer die Option bestand entweder eine Stunde früher zu beginnen oder eine später aufzuhören. Überstunden wurden mit 25% Zulage vergütet, wobei pro Monat 52 überstunden nicht überschritten werden durften. Samstags konnte optional gearbeitet werden, wobei die Vergütung hierbei 100% + 25% also 124% betrug. Erklecklich. Da vieles noch nicht angeglichen war an den globalen Arbeitsprozess durften wir während der Arbeit rauchen, jedoch nicht mehr trinken. Trinken war von der Berufsgenossenschaft, kurz: BG im Zusammenhang mit 11 Flaschen Bier Nachtschicht und der Metallpresse verboten worden. Wie dem auch sei. Natürlich, wie kann aus Dieter eine Geschichte werden. Natürlich.

vierte Seite: Spannungsbogen durch Monotonie. Täglich

Ich war immer pünktlich, Dieter immer zwanzig min. zu früh. Dies war eine seiner Aufgaben, zu früh zu kommen – einen guten Eindruck hinterlassen, Vorschicht überwachen, ersten Kaffe trinken.

Vorschicht überwachen nahm er in sein Programm auf, nachdem für ihn die falschen Schrauben hingerichtet wurden, er sie verbaute, siebzig Pumpen produzierte und dieses Tagewerk dadurch vernichtet wurde, dass es die falschen Schrauben waren, die sich dann festfraßen, die dadurch entstandenen Lecks erst bemerkt wurden als die Pumpen in Spanien in schweres Baustellengerät eingebaut waren und dieses dann versucht wurde in Betrieb zu nehmen. Der Fehler fiel erst so spät auf, da die Jungs aus dem Prüfstand Dieters Pumpen grundsätzlich nicht prüften, sondern stets einfach auslieferten. Seither überprüft Dieter Schrauben und alles andere Gerät vor Arbeitsbeginn.

Simpler Zeitgenosse, doch wusste er, dass Vergeltung nur zu mehr Vergeltung führt. Dies hatte er beim Bund gelernt und, so pflegte er zu sagen seien die Streiche hier ziemlich lächerlich verglichen mit Streichen bei denen scharfe Munition im Spiel sei.

Seine Vergeltung erfolgte. Sie erfolgte nur für ihn. Durch seine von ihm entwickelten Zeitsysteme. Er stoppte alle Wegzeiten und wusste genau wann wir durch welche Tür treten mussten um direkt vor dem Kantinenaufgang aus der Maschine herauszutreten die Treppe hinauf zu gehen, exakt 20 sec. bevor die Wurst aus Blaumännern den Treppenaufgang erreicht und ihrerseits nach oben strömt.

Ich setzte mich an den Tisch, täglich der Selbe und Dieter stand in oder genauer gesagt vor der Schlange, die er täglich anführte. Er bestellte täglich zwei Scheiben Leberkäse, einen Berg Spätzle und ließ, jedoch nicht bevor er noch um etwas mehr Spätzle gebeten hatte, alles in brauner Soße tränken.

Essen nicht reden. Nach 7,5min war er fertig – ich immer aufs neue beeindruckt. Die Anderen hassten ihn und betrachteten ihn als den Wahnsinnigen, der er vielleicht auch war. Er stellte sein Tablett zurück und ging wieder hinunter zur Maschine wo er die restlichen 21min der Pause auf einem der Hocker verbrachte. Er saß immer auf

dem Einen der Beiden Hocker, rückte diesen immer an den selben Platz, blickte dann immer in den selben Winkel. So saß er dann. Außer Mittwochs und Donnerstags, denn dann las er HeimKino Magazine, die er immer Dienstags kaufte und wovon er drei pro Woche las.

zweiter Teil zu: vierter Teil. Spannungsbogen durch Monotonie täglich.

Zeit war und ist alles. Wir wurden dafür bezahlt Pumpen zu montieren, gewiss, doch es ging es nur um Zeit.

Wir arbeiteten nach Plan, mit vorgegebenen Arbeitsabläufen und Teilen. Typ: ME45, Steuerungsventil senkrecht angebracht, 37bar bei 2700 Umdrehungen die Minute und jeweils so und so viel Fördermenge. Pumpen. Individuell eingestellt pro Kundenwunsch. 300 Mal das Gleiche, individuell eingestellt, hiervon 30 – 70 Stück pro Schicht, drei Schichten am Tag. Blabla, wir kamen, stempelten ein, gingen, stempelten aus. Wir arbeiteten, hörten Meetings über Nenndruck, Konstruktion und das WIR Gefühl in der Braunhaus Familie – doch dachten die Meisten nur an Stempeln. Sollseite Habenseite, Minuten Stunden, noch schulden einfordern. Auf die Minute bestellt – exakt 5min vor Schichtende machten wir uns auf den Weg der 61sec. dauerte um dann die restlichen 3min 59sec in der Schlange vor dem Stempelgerät zu warten.

Wir wurden gestoppt, täglich. Von der Maschine, die Grafiken erstellte, Bewegungsdiagramme anbot. Dieter wirkt zwanghaft, weil er stets, täglich zur ziemlich exakt gleichen Zeit ziemlich exakt das Selbe tat.

Wir, in unseren Blaumännerlatzhosen mit Aufdruck unseres Namens und unserer Nummer wurden einmal jährlich besucht von einem Zeitingenieur, dessen Tätigkeit darin bestand uns zu Anfang der Schicht die Hand zu geben um uns dann den Rest der Schicht zu protokollieren.

Wir arbeiteten und er stand hinter uns, stoppte einzelne Arbeitsschritte, zählte Toilettengänge und trug alles in seine Listen ein. Ich war interessiert und versuchte mich mit ihm zu unterhalten, doch die Anderen, auch Dieter erklärten mir ich müsse verstehen auf welcher Seite ich stünde, Anzug oder Blaumann, wir und die Hunde. Sie erklärten mir, dass unsere Sollzeiten auf Grundlage der Daten, die dieser Typ, der vielleicht Karl-Heinz hieß und sicherlich in Furtwangen Ingenieursgesachere studierte erarbeitet wurden. Er war dazu da um den Arbeitsablauf zu optimieren. Wenn er kam, arbeiten alle so langsam wie nur irgendmöglich.

Es gab zwei Sorten von uns. Festvertrag und Zeitvertrag. Festvertrag hieß meist, dabei seit Anfang des Industriebooms in den 60ern, quasi unkündbar montierten sie dieses eine Modell der Pumpe von Anfang an und da hätte jetzt niemand zu kommen um ihnen zu erklären, wie sie ihr Handwerk auszuführen hätten – schon gar nicht ein Typ der vielleicht Karl-Heinz heißt einen Anzug trägt und ziemlich sicher in Furtwangen Ingenieursgesachere studiert hatte. So einer nicht.

Der andere Teil, Zeitvertrag, kündbar, um guten Eindruck und übernahmevertrag bemüht, meist jung und abhängig vom Geld. Hatten die meisten zwar noch keine Familie zu ernähren, doch da waren der Kredit für das Auto, die Flatrate fürs Handy, fürs Kino, Sommer und Winterreifen, dazu im Sommer Alufelgen, im Winter Stahlfelgen und die neue Couchgarnitur war auch noch nicht bezahlt. Kurzum, sie taten was ihnen aufgetragen wurde (fast alle) in der Hoffnung weiterbeschäftigt zu werden.

Dieter war in einer ähnlichen Situation wie die Anderen, aber es unterschied sie die Herangehensweise. Er erkannte den Zusammenhang zwischen dem Ingenieur, den Sollzeiten und seiner Vertragsverlängerung. Auch erkannte er, die Handlung müsse subtil sein. Und während in anderen Teilen der Fabrik mit Gabelstaplern gegen Maschinen gehandelt wurde, auf dem Klo getrödelt und

Durchfall simuliert wurde, der Widerstand also groß wurde bewegte Dieter sich im Kleinen. Der Ingenieur sah uns nur arbeiten, reparieren, einstellen, putzen, aufträumen. Er verbrachte etwa eine Stunde bei uns und ging dann zu den Anderen, wo bereits die ganze Zeit mehr oder weniger gearbeitet wurde, jetzt gerade aber Kaffeepause war. Der Ingenieur hatte den Eindruck hier würde täglich herumgesessen, dies notierte er in seine Listen, während wir auf unseren ölverschmierten Hockern saßen und ihn durch einen Kuckspalt beobachteten. Ich rauchte meist, wir beide nippten an Kaffe, Zeit.

Aus dieser einen Richtung gab es diesen einen Weg zu uns und von der von uns überwachten Stelle zu uns, das wusste Dieter, brauchte man meist zwischen 21 und 43sec. Genug Zeit also um den Kaffe wegzustellen, aufzustehen, sich über offene Pumpengehäuse zu beugen – die Hände hineinsteckend, so als würde man darin irgendetwas montieren.

Eine weitere Proletarierromantik aus Sicht eines Studenten geschrieben, der die ach so harte Arbeitswelt kennengelernt hat brauchen wir nicht. „Ich bin ebenfalls bodenständig, darf über andere Menschen denken, studieren, berichten.“ Skandalös. „Ich hab auch mal am Band gearbeitet in den Sommerferien.“ Eklig.

Ich verbrachte zehn Monate mit Dieter, schreibe und lese natürlich um etwas spannendes zu erzählen und wohl auch dafür bewundert zu werden, theoretisch.

Doch das Eigentlich interessante ist die Position und Haltung zum System, dem Umgang damit. Dieter lebte in der Maschine im System. über die Zeit wurde er selbst zu einer Maschine und erschuf sich sein eigenes System.

Kleine Siege, errungen, abgetrotzt. Eigentlich schon verloren und in Gefangenschaft, doch ha! noch habt ihr nicht gesiegt. Täglich der Erste in der Essenschlange, genau vorbereitet sein. Zeit gewinnen, paradoxerweise diese Zeit auf einem kleinen ölverschmierten Hocker zu verbringen und über HeimKino nachzudenken. Unsere Anstrengungen mit dem Zeitingenieur waren so subtil, dass er, der Karl–Heinz hieß unsere Sollzeit um 27sec anhob. 27 multipliziert mit dem Schichtsoll von 70 ergeben exakt 31,5min gewonnener Zeit. Über die Zeit hatte Dieter so mittlerweile exakt 54min erwirtschaftet, die er täglich auf dem Hocker saß. Die kleinen Siege. System im System. Um das nun abzukürzen, es geht schließlich um Zeit. Dieter und ich verbrachten zehn Monate gemeinsam im Herz der Maschine, Dieter und mir wurde wie anderen acht von uns zwanzig Zeitis unbefristete Verträge angeboten. Ich lehnte ab, Dieter nahm an.

Er wusste, es war wegen seiner Tricks, den kleinen Siegen. Gute Sollzeiten, wenig Fehltage, stets gutes Erscheinen. Wir sind alle kleine Rädchen, das wussten auch die Anderen die mir an einem meiner letzten Tage erzählten, dass der Dieter der Spinner nur übernommen wurde, da sein Schwiegervater Grossaktionär der Firma war.

Dieter X. Der Spinner. Arbeiterklasse ohne Arbeit.

Bewunderung? Arbeiter Student Maschine Zeit Leere. Ende Dieter.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: